Kapitel 05 – Flucht durch die Dunkelheit
Die Nacht schluckte uns sofort.
Kalter Asphalt, nasses Pflaster, ein leiser Wind, der wie ein Flüstern zwischen den Häusern strich. Ich hörte meinen Atem lauter als unsere Schritte.
„Schneller“, flüsterte Damon, ohne hinzusehen.
Ich hielt seine Hand fest.
Zu fest.
Aber ich hatte Angst, dass er mir entglitt, wenn ich losließ.
Wir erreichten die Ecke der Seitenstraße. Damon blieb kurz stehen, lauschte. Sein Körper war angespannt wie eine gespannte Saite.
„Sie folgen uns nicht“, sagte ich.
„Noch nicht.“
Seine Stimme war ruhig, aber darunter bebte etwas.
„Wer war das?“, fragte ich.
„Jemand, der zu viel über dich weiß.“
Mein Herz zog sich zusammen.
„Ich kenne ihn kaum…“
„Aber er kennt dich.“
Er drückte meine Hand stärker.
„Und das macht dich verwundbar.“
Ein Geräusch hinter uns.
Ein leises, kaum hörbares Knacken.
Damon reagierte sofort, zog mich an die Hauswand, sein Arm schützend um mich.
„Nicht bewegen.“
Ich erstarrte.
Ein Schatten glitt am Ende der Straße entlang.
Groß.
Suchend.
Damon beugte sich zu meinem Ohr.
„Das ist nicht gut.“
„Ist es einer von ihnen?“, flüsterte ich.
„Nein.“
Pause.
„Und das ist das Problem.“
Der Schatten blieb stehen.
Direkt unter einer Laterne.
Sein Kopf drehte sich – langsam, lauernd.
„Damon…“
„Sei still.“
Der Mann hob den Kopf etwas.
Nicht viel.
Nur so weit, dass ich glaubte, ein Lächeln zu erkennen.
Ein kalter Schauer durchzog meinen Körper.
„Wir wechseln die Richtung“, sagte Damon.
Er zog mich durch eine Passage zwischen zwei Häusern. Der Boden roch nach feuchtem Stein. Mein Atem war heiß und zittrig.
Wir erreichten einen Parkplatz.
„Hier entlang“, sagte er.
„Du kannst da nicht rüber.“
„Ich muss nicht rüber.“
Er half mir über den Zaun.
Als ich auf der anderen Seite stand und mich umdrehte, brach Damon fast zusammen.
„Damon!“
Er hielt sich an der Wand fest, presste die Hand auf seine Seite.
„Ich muss dich… nur rausbringen“, murmelte er.
„Du kannst so nicht weiter!“
„Solange sie dich wollen, bewege ich mich.“
Ein zweiter Schatten hinter uns.
Damon hörte ihn zuerst.
„Ava—“
„Ja?“
„Lauf, wenn ich es sage.“
Ich nickte.
Der Schatten trat hervor.
Eine dunkle Gestalt, die ihre Absichten in der Stille trug.
Damon spannte sich an.
Bereit.
Trotz Schmerz.
Trotz Blut.
Und ich wusste:
Wir waren noch lange nicht in Sicherheit.
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