Kapitel 06 – Niemand ist allein
Die Straße war still, zu still.
Der Atem der Dunkelheit schien uns zu folgen, Schritt für Schritt, als hätte sie sich entschieden, uns nicht mehr loszulassen.
Damon blieb abrupt stehen, die Schultern angespannt, seine Hand ein Schild vor meiner.
Erst da erkannte ich, dass wir nicht allein waren.
Der zweite Schatten löste sich aus der Dunkelheit.
Langsam.
Zu langsam.
Damon stellte sich vor mich, seine Haltung schützend.
Der Mann blieb wenige Meter entfernt stehen.
Eine Kapuze, tief ins Gesicht gezogen.
Breite Schultern.
Eine Präsenz, die Gefahr flüsterte.
„Guten Abend“, sagte er ruhig.
Mein Herz raste.
Damon antwortete nicht. Seine Muskeln waren starr, sein Atem schwer.
Der Mann blickte kurz zu mir.
Ein Blick, der zu lange dauerte.
„Ich kenne sie schon länger,“ sagte er. „Wieso darf ich nicht reden?“
„Weil du sie schon genug beobachtet hast,“ antwortete Damon, die Stimme gefährlich tief.
Ein Lächeln.
Falsch.
Kalt.
„Beobachten ist so ein hartes Wort. Ich würde sagen… ich war interessiert.“
Damon spannte sich stärker an.
„Bleib, wo du bist,“ warnte er.
„Und wenn nicht?“
„Dann endet die Unterhaltung hier.“
„Du bist verletzt“, sagte der Mann.
„Und allein.“
„Ich bin nicht allein.“
Ich spürte, dass er mich meinte.
„Sie ist also dein Schwachpunkt“, sagte der Mann.
Damon knurrte.
„Sag das noch einmal.“
Der Mann trat einen Schritt näher.
„Wenn du sie behalten willst, musst du lernen, was sie kostet.“
„Du wirst sie nicht anrühren.“
Der Mann lächelte.
„Nicht heute.“
Dann wandte er sich ab und verschwand in der Dunkelheit – langsam, viel zu selbstbewusst.
Damon atmete aus, schwer, erschöpft.
„Ava“, sagte er. „Wir müssen weiter.“
„Wer war das?“
Er schloss die Augen.
„Jemand, der glaubt, Menschen gehören ihm.“
„Und ich?“
Seine Augen öffneten sich wieder.
Angst lag darin.
Echte.
„Er hat dich ausgesucht. Wegen mir.“
Ich wollte sprechen, doch Schritte unterbrachen mich.
Ein zweiter Schatten.
Näher.
„Damon—“
„Ja.“
Seine Stimme wurde zu einem Warnknurren.
„Sie sind nicht mehr allein.“
Damon zog mich an sich.
„Ava?“
„Ja?“
„Ab jetzt bleibst du keinen Schritt von mir weg.“
Und wir verschwanden tiefer in die Nacht,
während die Dunkelheit hinter uns Gestalt annahm.
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