Kapitel 08 – Erste Antworten, falsche Sicherheit
Die Welt veränderte sich, als Liam das Rolltor schloss.
Die Geräusche der Stadt wurden gedämpft, als hätte jemand einen Vorhang zwischen uns und die Gefahr gezogen.
Es war nicht wirklich sicher hier — aber sicherer als alles, was hinter uns lag.
Und zum ersten Mal seit Stunden ließ mein Körper los.
Ich merkte erst, dass ich eingeschlafen war, als ich wieder hochschreckte.
Die Halle lag im Halbdunkel.
Damon lag auf dem Feldstuhl neben mir. Der Verband war frisch, sein Atem ruhig, sein Kopf hatte bis eben an meiner Schulter gelegen.
Seine Finger bewegten sich.
„Ava…?“
„Ich bin hier“, flüsterte ich.
Er blinzelte, die Welt unscharf.
„Ich habe keine Angst“, murmelte er.
„Nicht, wenn du da bist.“
Etwas Warmes durchzog mich.
Ich legte meine Hand auf seine.
„Wie fühlst du dich?“
„Wie jemand, der gestern zu viel gelaufen ist.“
„Du bist fast verblutet.“
„Nur ein Detail.“
Ich wollte lachen und weinen zugleich.
Liam trat aus dem Schatten.
Arme verschränkt, Blick wachsam.
„Du lebst“, sagte er an Damon gewandt.
„Enttäuscht?“
„Eher beeindruckt.“
Liam setzte sich auf den alten Werkzeugkasten und sah mich an.
„Du willst Antworten? Ich fang an.“
Ich hielt den Atem an.
„Der Mann gestern gehört zu Leuten, die Damon früher kannte.“
Ich sah zu Damon.
Seine Stille war ein Geständnis.
„Und du hast ihnen was getan?“, fragte ich vorsichtig.
„Ich habe ihnen ‚Nein‘ gesagt“, murmelte er.
„In ihrer Welt“, erklärte Liam, „ist das schlimmer als alles andere.“
„Was wollen sie von dir?“, fragte ich.
„Kontrolle“, antwortete Damon.
„Und von mir?“, flüsterte ich.
Beide schwiegen.
Das Schweigen war eine Antwort.
„Sag es mir“, sagte ich leise.
Liam seufzte.
„Du bist wichtig. Für ihn.“ Er deutete auf Damon.
„Und das macht dich zur Angriffsfläche.“
Mein Herz raste.
Damon sah mich an.
„Ich wollte nicht, dass du in diese Welt kommst.“
„Aber ich bin es.“
„Ich weiß.“
Ich nahm seine Hand.
„Ich bin nicht weggelaufen.“
„Genau das ist das Problem“, murmelte Liam.
„Genug“, knurrte Damon.
Liam stand auf, lauschte zur Tür.
Sein Körper spannte sich.
„Wir bleiben nicht lange hier“, sagte er.
„Die Nacht war laut. Zu laut. Wenn sie ihn suchen, suchen sie dich.“
„Mich?“
„Du bist jetzt ein Gesicht in ihrem Kopf.“
Mir wurde übel.
Damon versuchte aufzustehen.
Ich hielt ihn zurück.
„Ich muss sie wegbringen“, sagte er.
„Du bleibst sitzen“, schnitt Liam ihn ab.
„Sie werden kommen.“
„Dann sollen sie kommen.“
Ein Moment von Stille. Schwer wie Blei.
„Was… machen wir jetzt?“, fragte ich.
Damon nahm meine Hand.
„Wir kämpfen.“
„Wir?“
„Du bist schon Teil davon.“
Ich schluckte.
„Was muss ich tun?“, fragte ich.
Damon sah mich lange an.
„Bleib bei mir.“
„Ich bleibe.“
Und in diesem Moment wusste ich:
Alles würde sich ändern.
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Kapitel 1 von 16
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