Kapitel 11 – Dinge, die man nicht sagt
Pierce hatte uns ein kleines Nebenzimmer geöffnet. Ein schmales Bett, ein Stuhl, ein Fenster mit Blick auf eine graue Brandwand.
Damon setzte sich auf das Bett.
Langsam, vorsichtig.
Er war erschöpft, aber wach — zu wach, um in Sicherheit zu sein.
Ich schloss die Tür hinter uns.
„Du wolltest mit mir reden.“
Er nickte, sah jedoch zuerst auf den Boden.
Als würde er die Worte suchen, die er sonst nie aussprach.
„Ava…“
Er strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn.
„Ich wollte dich nie in diese Welt bringen.“
„Ich weiß.“
„Nein.“
Er hob die Augen.
„Du verstehst nicht. Ich wollte dich nicht einmal in meine Nähe lassen.“
„Warum nicht?“
Er atmete tief aus.
„Weil alles, was ich berühre, irgendwann bricht. Oder verletzt wird. Oder benutzt wird.“
Ich trat einen Schritt näher.
„Ich bin nicht zerbrechlich.“
„Doch“, sagte er sanft.
„Aber nicht so, wie du denkst.“
Ich wusste nicht, ob ich traurig, wütend oder bewegt sein sollte.
Vielleicht alles gleichzeitig.
„Und … dieser Mann gestern“, fuhr er fort.
„Der dich beobachtet hat… er hat dich nicht wegen dir ausgewählt.“
„Wegen dir“, flüsterte ich.
„Ja.“
Er sah mich an, und sein Blick war so nackt, so ehrlich, dass ich fast wegsehen wollte.
„Er weiß, was ich tun würde, um dich zu schützen. Und er weiß, wie man das ausnutzt.“
Ich schluckte schwer.
„Wie lange beobachtet er mich?“
„Lange genug, dass ich wütend auf mich selbst bin.“
Seine Stimme wurde rau.
„Ich hätte ihn früher bemerken müssen.“
Ich setzte mich neben ihn.
Der Abstand zwischen uns war nur ein Atemzug.
„Du kannst dich nicht für alles verantwortlich machen.“
„Doch. Für dich schon.“
Ich spürte, wie etwas in mir aufbrach.
Etwas, das ich nicht erwartet hatte, nicht verstehen konnte.
„Damon… willst du, dass ich gehe?“, fragte ich leise.
Er reagierte sofort.
Sein Kopf drehte sich zu mir, seine Augen weiteten sich.
„Nein.“
„Aber du sagst, ich bin gefährdet. Und du sagst, sie benutzen mich. Und du sagst—“
„Ich sage“, unterbrach er, „dass ich dich nicht verlieren kann.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus.
„Ich… wusste nicht, dass ich etwas bin, das man verlieren kann“, flüsterte ich.
„Ava. Du…“
Seine Stimme brach ab.
Er schloss die Augen, als würde es mehr Kraft kosten, zu fühlen als zu kämpfen.
„Ich weiß nicht, was du mit mir machst“, murmelte er.
„Aber es macht mir Angst.“
Ich spürte, wie meine Kehle eng wurde.
Ich legte meine Hand an seine.
„Mir auch.“
Er öffnete die Augen.
Und dann geschah etwas, das so leise war, dass die Welt dafür still werden musste:
Damon nahm meine Hand und führte sie an seine Wange.
Sein Atem streifte meine Fingerspitzen.
„Ava…, wenn du bleiben willst…“
„Ich will bleiben.“
Seine Schultern sanken, als hätte er einen Krieg in sich selbst aufgegeben.
„Okay“, flüsterte er.
Unsere Stirnen berührten sich.
Ein Atemzug.
Zwei.
Dann klopfte es an der Tür.
Liam.
„Ihr zwei seid fertig mit Herzgeflüster? Wir müssen reden.“
Damon schnaubte.
„So viel zum schönen Moment.“
„Es ist nie ein schöner Moment“, rief Liam.
„Ich bin hier.“
Ich stand auf, atmete tief durch.
„Komm“, sagte ich.
Und wir gingen hinaus in das Licht eines neuen, gefährlichen Tages.
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