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Kapitel 01 – Der Mann im Regen
Der Regen fiel wie ein leises Versprechen auf die Dächer der Stadt – ein Versprechen, dass die Nacht heute länger und schwerer werden würde. Ich stand im Schaufenster meines Blumenladens, den Rücken an die Holzkante gelehnt, und beobachtete, wie die Tropfen das Pflaster draußen glänzen ließen. Es war einer dieser Abende, die nach Routine rochen.Nach…
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Kapitel 02 – Zwischen Furcht und Nähe
Der Regen trommelte gegen die Scheiben, als hätte er beschlossen, heute Nacht Zeuge zu sein. Damon saß auf dem Hocker, die Schultern schwer, seine Hand an der Seite, wo das Blut dunkel durch das Hemd sickerte. Ich fand die Notfallbox, die ich sonst für Schnittwunden oder Dornen gebrauchte, und kehrte zu ihm zurück. „Zeigen Sie…
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Kapitel 03 – Die Nacht beobachtet
Der Laden lag in halbem Dunkel. Nur das Licht der Straßenlaterne fiel durch das Schaufenster und zeichnete goldene Ränder auf Damons Gesicht. Er wirkte noch blasser, aber seine Augen waren wach – messerscharf. „Bleib hinter mir“, sagte er. „Was passiert da draußen?“, flüsterte ich. „Jemand sucht etwas.“Sein Blick glitt zu meiner Tür.„Oder jemanden.“ Mir wurde…
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Kapitel 04 – Ein Schatten zu viel
Der Regen hatte die Straße fast leergefegt, nur vereinzelte Tropfen prasselten noch gegen das Schaufenster meines Ladens. Das schwache Licht der Straßenlaternen malte blasse Streifen auf den nassen Asphalt. Es hätte ein normaler Abend sein können.Hätte. Damon saß auf dem Hocker neben der Werkbank, sein Rücken an die Wand gelehnt, die Augen halb geschlossen. Der…
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Kapitel 05 – Flucht durch die Dunkelheit
Die Nacht schluckte uns sofort.Kalter Asphalt, nasses Pflaster, ein leiser Wind, der wie ein Flüstern zwischen den Häusern strich. Ich hörte meinen Atem lauter als unsere Schritte. „Schneller“, flüsterte Damon, ohne hinzusehen. Ich hielt seine Hand fest.Zu fest.Aber ich hatte Angst, dass er mir entglitt, wenn ich losließ. Wir erreichten die Ecke der Seitenstraße. Damon…
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Kapitel 06 – Niemand ist allein
Die Straße war still, zu still.Der Atem der Dunkelheit schien uns zu folgen, Schritt für Schritt, als hätte sie sich entschieden, uns nicht mehr loszulassen.Damon blieb abrupt stehen, die Schultern angespannt, seine Hand ein Schild vor meiner. Erst da erkannte ich, dass wir nicht allein waren. Der zweite Schatten löste sich aus der Dunkelheit.Langsam.Zu langsam….
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Kapitel 07 – Zusammenbrechen und Aufstehen
Der Boden unter unseren Füßen veränderte sich, wurde weicher, nässer, unebener — doch ich merkte es kaum.Alles, was ich fühlte, war Damons Gewicht an meiner Seite und das Echo der Gefahr hinter uns, dass wie ein zweiter Herzschlag in der Dunkelheit pulsierte.Liam war irgendwo vor uns, unsichtbar, aber spürbar. Und wir liefen weiter, ohne ein…
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Kapitel 08 – Erste Antworten, falsche Sicherheit
Die Welt veränderte sich, als Liam das Rolltor schloss.Die Geräusche der Stadt wurden gedämpft, als hätte jemand einen Vorhang zwischen uns und die Gefahr gezogen.Es war nicht wirklich sicher hier — aber sicherer als alles, was hinter uns lag. Und zum ersten Mal seit Stunden ließ mein Körper los. Ich merkte erst, dass ich eingeschlafen…
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Kapitel 09 – Wahrheiten, die weh tun
Ich wachte erst auf, als ich merkte, dass ich geschlafen hatte. Die Halle war still. Damon lag neben mir, seine Atmung ruhig, seine Haut nicht mehr so fahl. Ich hatte meinen Kopf an seine Schulter gelehnt, ohne es zu bemerken. Als ich mich bewegte, öffnete er die Augen. „Ava…?“ „Ich bin hier.“ Er sah mich…
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Kapitel 10 – Der Zufluchtsort
Die Stadt wirkte im Morgengrauen leerer, als sie sollte.Die Straßen glänzten noch vom Regen, und der Himmel war ein fahler Streifen über den Dächern. Wir gingen schnell, aber nicht hastig — Liam vorneweg, Damon in der Mitte, ich an seiner Seite. Die Nacht hatte uns verändert.Oder vielleicht hatte sie nur offenbart, was längst in uns…
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Kapitel 11 – Dinge, die man nicht sagt
Pierce hatte uns ein kleines Nebenzimmer geöffnet. Ein schmales Bett, ein Stuhl, ein Fenster mit Blick auf eine graue Brandwand. Damon setzte sich auf das Bett.Langsam, vorsichtig.Er war erschöpft, aber wach — zu wach, um in Sicherheit zu sein. Ich schloss die Tür hinter uns. „Du wolltest mit mir reden.“ Er nickte, sah jedoch zuerst…
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Kapitel 12 – Der Plan, der alles verändert
Im Hauptzimmer standen Pierce und Liam über einer Karte, die auf dem Tisch ausgebreitet war. Rotes Licht einer kleinen Lampe fiel darüber, als wären wir mitten in einem Operationseinsatz. „Setzt euch“, sagte Pierce. Damon blieb stehen, stützte eine Hand auf die Tischkante.Ich blieb an seiner Seite. Liam zeigte auf einen Punkt auf der Karte.„Hier. Ein…
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Kapitel 13 – Im Zentrum der Gefahr
Die Nacht hatte sich verändert. Sie war nicht mehr nur ein Raum, durch den wir uns bewegten – sie war ein Gegner.Die Straßen waren leer, der Himmel geschlossen, die Luft schwer vom Versprechen, dass heute etwas enden würde. Oder beginnen. Das Gebäude, auf das Pierce auf der Karte gezeigt hatte, wirkte aus der Nähe noch…
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Kapitel 14 – Wenn das Zuhause kein Zuhause mehr ist
Ich starrte auf das Foto auf Liams Handy, während die Luft um mich herum schwerer wurde.Meine Wohnungstür.Meine Welt.Im Halbdunkel.Als wäre sie schon nicht mehr meine. „Das… kann nicht sein“, flüsterte ich. „Es ist so.“Liams Stimme war ruhig, nüchtern.„Sie wissen, wo du wohnst. Sie wissen, dass du nicht da bist. Und das bedeutet, dass du dorthin…
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Kapitel 15 – Der Moment der Wahrheit
Der Morgen kam, ohne hell zu werden. Ein fahles Grau lag über dem Loft, als hätte die Nacht beschlossen, noch ein bisschen zu bleiben. Das Licht kroch nur zögerlich durch die Fenster, blieb auf halbem Weg stehen. Ich saß auf einem Hocker neben Damon.Ich war nicht eingeschlafen.Ich konnte nicht. Er lag noch immer ruhig da,…
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Epilog – Drei Wochen später
Der Duft meines Blumenladens war zurückgekehrt.Lavendel, Rosen, Eukalyptus – Noten von Leben, nicht von Angst. Und doch war nichts mehr genau wie früher. Vielleicht, weil ich nicht mehr dieselbe war.Vielleicht, weil er es nicht war. Damon stand am Fenster, die Hände in den Taschen, den Blick nach draußen gerichtet. Der Verkehr floss ruhig an der…
