Kapitel 03 – Die Nacht beobachtet
Der Laden lag in halbem Dunkel. Nur das Licht der Straßenlaterne fiel durch das Schaufenster und zeichnete goldene Ränder auf Damons Gesicht. Er wirkte noch blasser, aber seine Augen waren wach – messerscharf.
„Bleib hinter mir“, sagte er.
„Was passiert da draußen?“, flüsterte ich.
„Jemand sucht etwas.“
Sein Blick glitt zu meiner Tür.
„Oder jemanden.“
Mir wurde kalt.
Ein Schatten löste sich draußen aus dem Regen. Er blieb stehen – direkt vor dem Laden, als wollte er hören, ob wir atmeten.
Damon streckte die Hand aus, ganz langsam, und berührte meinen Arm.
„Ava“, flüsterte er.
„Wenn ich sage, du sollst laufen, dann läufst du.“
„Aber Sie—“
„Ich kann das handeln.“
Ich glaubte ihm nicht.
Oder ich glaubte es zu sehr.
Der Schatten bewegte sich wieder.
Ein leises Schleifen.
Ein Schritt.
Damon presste sich fester an die Wand.
„Das ist nicht gut.“
„Wer ist das?“
„Nicht der, den ich erwarte.“
Ich verstand gar nichts mehr – nur, dass mein Herz schmerzte, weil es so heftig schlug.
„Wir müssen hier weg“, sagte Damon und griff nach meiner Hand.
„Jetzt.“
„Wohin?“
„Irgendwohin, wo wir zwei Minuten Vorsprung haben.“
Er zog mich zur Hintertür.
Die Dunkelheit dort wirkte noch tiefer, noch dichter.
„Ava?“, sagte er plötzlich.
„Ja?“
Er sah mich an, als würde er in mir etwas erkennen, das er selbst nicht greifen konnte.
„Lauf nur, wenn ich es sage. Nicht vorher.“
Ich nickte.
Und dann traten wir hinaus in die Nacht.
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