Kapitel 07 – Zusammenbrechen und Aufstehen
Der Boden unter unseren Füßen veränderte sich, wurde weicher, nässer, unebener — doch ich merkte es kaum.
Alles, was ich fühlte, war Damons Gewicht an meiner Seite und das Echo der Gefahr hinter uns, dass wie ein zweiter Herzschlag in der Dunkelheit pulsierte.
Liam war irgendwo vor uns, unsichtbar, aber spürbar.
Und wir liefen weiter, ohne ein Wort zu sagen.
Damon lehnte schwerer gegen mich, jeder Schritt ein Kampf. Seine Hand war warm, zu warm, und als sein Atem unregelmäßiger wurde, wusste ich, dass er nicht mehr lange durchhalten konnte.
„Wir müssen anhalten“, sagte ich leise.
„Nein.“
Seine Stimme war kaum mehr als ein Krächzen. „Weiter.“
„Damon, du fällst gleich—“
„Ich falle nicht.“
Doch sein Körper widersprach.
Er schwankte, fing sich, schwankte erneut.
Sein Blick verschwamm für einen Moment, die Lider flatterten.
Liam tauchte plötzlich vor uns auf.
Er sah Damon einmal an – ein einziger Blick – und seine Miene verfinsterte sich.
„Du gehst jetzt nicht weiter“, sagte er.
„Ich habe keine Wahl“, presste Damon hervor.
„Doch. Du hast eine.“ Liam packte seinen Arm. „Und zwar die, nicht ohnmächtig im Rinnstein zu landen.“
Damon wollte etwas erwidern, doch sein Körper gab die Antwort schneller als seine Stimme.
Er sackte zusammen.
Ich schrie leise, griff nach ihm, doch sein Gewicht war zu viel. Liam war sofort da, stützte ihn mit einer schnellen, geübten Bewegung.
„Verdammt, Damon“, knurrte er. „Immer das gleiche Theater.“
Damon öffnete mühsam die Augen.
„…hört… auf… euch zu beschweren.“
Liam schnaubte. „Halt den Mund.“
Gemeinsam hievten wir ihn hoch. Damons Hand suchte meine – blind, verzweifelt – und als er sie fand, drückte er zu.
Nicht stark.
Aber fest genug, dass mir die Kehle brannte.
„Bin hier“, flüsterte ich.
„Gut…“ murmelte er.
Liam führte uns durch eine Seitenpassage hinter eine große Lagerhalle.
Er griff unter ein Blechstück, holte einen Schlüssel hervor und öffnete ein rostiges Tor.
„Ist das legal?“, fragte ich.
Er warf mir einen Blick zu.
„Ava. Bitte.“
Die Halle roch nach Staub und Metall, aber sie war trocken, abgelegen, sicherer als alles draußen.
Wir halfen Damon hinein.
Auf einem alten Feldstuhl sank er zusammen.
Er hatte die Augen halb geschlossen, seine Haut war fahl.
„Wir müssen die Wunde versorgen“, sagte ich sofort.
„Ich mach das“, sagte Liam und holte eine Notfalltasche hervor.
Ich wich nicht von Damons Seite.
Als Liam das Hemd zur Seite zog, sah ich, wie schlimm die Wunde wirklich war.
Der Verband war durchtränkt, die Haut entzündet, Blut in dunklen Schlieren.
Mir wurde schwindelig.
„Wegen mir…“, flüsterte ich.
Damon schüttelte den Kopf – kaum sichtbar.
„Nicht wegen dir.“
„Wegen ihnen“, korrigierte Liam.
Er reinigte die Wunde. Damon presste die Zähne zusammen, ein leises Stöhnen entwich ihm.
Ich nahm seine Hand – instinktiv.
Er hielt sie fest, als wäre sie das Einzige, das ihn noch hier hielt.
„Ava… schau mich an“, keuchte er.
„Nicht… da hin.“
Ich tat, was er sagte.
Und sein Blick hielt mich.
Trug mich.
Berührte mich auf eine Weise, die ich nicht verstand.
Als Liam fertig war, band er einen frischen Verband.
„Das hält für heute“, sagte er.
Ich atmete schwer aus.
„Danke“, flüsterte ich.
„Ich brauche ihn lebendig.“
Liam zuckte mit den Schultern.
„Das ist alles.“
Ich blieb an Damons Seite.
Seine Atmung wurde ruhiger.
„Wie fühlst du dich?“, fragte ich.
„Wie jemand… der endlich nicht mehr rennt.“
Ich lächelte schwach.
„Ich dachte, ich verliere dich.“
Sein Blick wurde weich.
„Du verlierst mich nicht. Nicht heute.“
Liam trat in die Tür.
„Ich halte Wache.“
„Du musst nicht—“, begann Damon.
„Doch“, sagte Liam. „Bis du wieder laufen kannst.“
Er verschwand im Türrahmen.
Damon schloss die Augen.
Sein Kopf senkte sich an meine Schulter, ein unvorsichtiger Moment von Nähe, der mich vollständig atemlos machte.
„Ava…?“
„Ja?“
„Danke, dass du bleibst.“
Ich legte meine Hand über seine.
„Ich gehe nirgendwo hin.“
Nicht mehr.
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